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Das Bahnhofsklo in  Lousã

Im Frühjahr 2009 hat Anton Wilhelm Stolzing in  Lousã übernachtet.  Lousã ist eine hübsche kleine Stadt in Portugal, nicht weit von Coimbra, mit dem es eine Bahnverbindung hat. Der Bahnhof ist sehr schön, wie man an dem Bild Bahnhof Lousã von Anton Wilhelm Stolzing in Saal 193 sieht. Viel los ist dort aber nicht. Fahrpläne gibt es keine, die Gepäckaufgabe wurde aufgegeben - vielleicht gibt es in Portugal, wie ja auch in Deutschland seit mehreren Jahren, keine Gepäckaufgabe mehr.

Der Bahnhof von  Lousã, wie andere portugiesische Bahnhöfe auch, hat aber etwas, was kein deutscher Bahnhof mehr hat: ein öffentlich kostenlos zugängliches Bahnhofsklo. Es ist durchaus gut in Schuß, wie erneut Bilder von Anton Wilhelm Stolzing im Saal 193 zeigen.

In Deutschland wurden die Bahnhofsbauten der kleineren Bahnhöfe verkauft. Diese Bahnhöfe wurden zu bloßen Haltepunkten. In den großen Bahnhöfen wird man von kommerziellen Anbietern, Mac Clean oder wie immer sie heißen mögen, abgezockt, an die die Deutsche Bahn in der verabscheuungswürdigen Periode ihrer Privatisierung die Bewirtschaftung der Klos verpachtet hat. Das ist eine Kulturschande ersten Ranges. Der kulturelle Stand einer Nation zeigt sich auch an ihren Bedürfnisanstalten. Für Deutschland heißt dies, wir sind in eine Phase der völligen Kommerzialisierung eingetreten. Fehlt bloß noch, daß man für die Luft zum Atmen zahlen muß. Portugal hat diese Barbarisierung noch nicht nachvollzogen, auch in Österreich habe ich im Jahre 2004 noch ein schönes, öffentlich zugängliches Bahnhofsklo in einem kleinen Bahnhof gesehen.

Es wird vom zivilisierten Menschen erwartet, seine Notdurft nicht in der Öffentlichkeit zu verrichten. Das ist Bestandteil des Gesellschaftsvertrages. Diesen wird man in keinem Gesetzblatt finden. Er ist überpositives Recht, das heißt, er ist nicht zu ändern. Das Gesetz kann ihn verleugnen, aber nicht abschaffen. Wie in allen anderen Bereichen ist der Gesellschaftsvertrag bezüglich der Notdurft aber nicht einseitig, sondern beinhaltet auf der anderen Seite auch das Vorhandensein angemessener Bedürfnisanstalten. Wenn die Deutsche Bahn keine Klos (wie in den kleinen Bahnhöfen) oder Mac Klos (wie in den großen Bahnhöfen) anbietet, bricht sie den Gesellschaftsvertrag und muß dann akzeptieren, daß man seine Notdurft auf dem Perron verrichtet. Ähnliches gilt übrigens auch für Ryan Air. Wenn Ryan Air die Barbarei so weit treiben will, daß es für seine Flugzeugtoiletten Eintritt nimmt, dann muß es akzeptieren, daß die Passagiere ihre Notdurft auf dem Flugzeuggang verrichten. Ein Scherz? Wir werden ja sehen. Die Wälder rund um die schönen neuen Sanifairklos, mit denen die Autobahntankstellen die Autofahrer abzocken, sind bereits vollgeschissen.

Es gehört zum Gesellschaftsvertrag, daß die elementarsten menschlichen Bedürfnisse bedingungslos erfüllt werden. Wird dieser Gesellschaftsvertrag vom Staate nicht erfüllt, so muß man sich über die Konsequenzen nicht wundern. Dann holt sich, wer kann, was er braucht. Dann bekommt man bürgerkriegsartige Zustände, wie die abgesperrten Reichenghettos in Brasilien, aber auch schon in den USA, zeigen. Auch Deutschland ist auf dem Weg dahin. Noch ist es Zeit zur Umkehr. Aber Deutschland ist auf dem falschen Weg schon weiter gegangen als manch' anderes Land - siehe die Bahnhofsklos.

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