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Französische Kriegerdenkmäler und Afghanistan

Anton Wilhelm Stolzing liebt Frankreich. Deshalb fährt er oft hin. Dem deutschen Auge fallen die Unterschiede zu Deutschland besonders auf, beispielsweise der Unterschied in der Häufigkeit von Kriegerdenkmälern. Es gibt Kriegerdenkmäler auch in Deutschland, aber sie sind dort eine Seltenheit im Vergleich zu Frankreich. Auch kleinste Dörfer haben in Frankreich ihr Kriegerdenkmal.

Die meisten französischen Kriegerdenkmäler entstanden nach dem Ersten Weltkrieg, und hier glaubt Anton Wilhelm Stolzing auch den Grund für den Unterschied auszumachen. "Der Große Krieg" ist für die Franzosen nicht der Zweite Weltkrieg, sondern der Erste Weltkrieg. "Mein Junge, der Krieg, den ich bevorzuge, ist der von 14 - 18", sang zynisch Georges Brassens. Man darf nicht vergessen, daß dieser Krieg, so schrecklich er auch für Deutschland war, nur zu einem ganz kleinen Teil auf deutschem Boden stattfand - das war ja mit der Grund für die fatale Dolchstoßlegende "im Felde unbesiegt", mit der die führenden deutschen Militärs nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg dummen Zivilpolitikern, vor allem der SPD, die Schuld an dieser Niederlage in die Schuhe schoben. Nicht auf deutschem Boden, aber zu einem großen Teil auf französischem Boden fand der Erste Weltkrieg statt, und an seinem Ende waren große Teile Frankreichs unbewohnbar. Ganze Dörfer mußten aufgegeben werden, weil zu viel Munition die Erde durchsetzte. Mondlandschaften wirken gemütlich dagegen, wie Nordfrankreich in weiten Teilen aussah. Frankreich hatte 1.325.000 Tote zu beklagen und ca. ein Viertel des Staatsvermögens verloren. Den Krieg hatte es allerdings gewonnen.

Auf den Denkmälern stehen die Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Söhne des jeweiligen Ortes.

Später wurden zusätzlich die Namen der im Zweiten Weltkrieg gefallenen Söhne des Ortes angebracht. Es sind immer viel weniger als die des Ersten. Die rasche Niederlage 1940 hat sich in diesem Sinne positiv für Frankreich ausgewirkt. Noch später wurden die Namen der Toten aus dem Indochinakrieg (1948 bis 1954) und dem Algerienkrieg (1954 bis 1962) angebracht. Nach dem Jahr 1962 - Gott sei Dank - nichts mehr.

Im September 2009 fuhr ich wieder einmal durch Frankreich. Im Loir et Cher sah ich eine Schlagzeile einer Lokalzeitung: "Ein französischer Soldat in Afghanistan getötet - eine Region trauert".

Ein Gedanke durchzuckte mich: Wenn das so weiter geht, werden sie ihre Denkmäler bald erneut ergänzen müssen. Den Gedanken finde ich gräßlich. Wir in Deutschland haben ja solche Denkmäler nicht in dieser Häufigkeit und Prominenz, aber auch Deutschland ist in Afghanistan involviert. Und auch das finde ich gräßlich.

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