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Rettet uns vor der Privatisierung![*]

Ein Hilferuf

Am 9. Juli entgleiste ein ICE 3 in Köln, weil eine Achse brach. Zum Glück war er noch nicht schnell gefahren, und so gab es keine Toten. Danach wurden alle ICE 3-Einheiten zu einer Zusatzuntersuchung mit Ultraschall beordert, wodurch es zu Ausfällen kam. Diese Zusatzuntersuchung erfolgte aber nicht auf Initiative der Deutschen Bahn, vielmehr wurde diese durch das Eisenbahn-Bundesamt dazu gezwungen. Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte die ICE 3-Züge weiterfahren lassen, mit Geschwindigkeiten von bis zu 300 km/h.

Daß Strecken stillgelegt, Bahnhöfe aufgegeben, Langsamfahrstellen nicht repariert werden – an all das hatte man sich gewöhnt. Die horrenden Fahrpreise, die Tariferhöhungen, die manchmal zweimal im Jahr stattfinden, die abgeschafften Gepäckwagen, die Verspätungen und verpaßten Anschlüsse – man knirscht mit den Zähnen, aber so ist es nun einmal.

Aber daß Mehdorn mit dem Leben des Personals und der Passagiere spielt, das läßt auch dem abgebrühten Bahnkritiker die Haare zu Berge stehen.

Es geht Hartmut Mehdorn um Gewinnmaximierung zum Zwecke des von ihm geplanten Börsengangs und der Erhöhung der „Erfolgsbestandteile“ seines Salärs.

Er hat nicht das Wohl der Passagiere im Sinn, nicht das Wohl der Volkswirtschaft, sondern die Gewinnmaximierung.

So ist das in der Privatwirtschaft. Deshalb darf die Bahn nicht privat betrieben werden. Die Wiederverstaatlichung wird kommen, weil man irgendwann bei aller Verblendung ihrer Notwendigkeit nicht mehr ausweichen kann, so wie in Großbritannien nach einigen gräßlichen Unfällen das Schienennetz wiederverstaatlicht wurde und wie in Neuseeland die Bahn wiederverstaatlicht wurde. Die Frage ist nur: wie viele Bahnstrecken werden bis dahin noch stillgelegt sein, wie viele Unfälle auf dem überlasteten, weil durch die Schiene nicht entlasteten Straßennetz passiert sein, wie lang müssen die Staus geworden sein und wie viele Menschen werden durch Bahnunglücke ihr Leben verloren haben?

Gute Volkswirtschaft ist in großem Maße das Setzen der richtigen Motivation. Eine privatisierte Bahn hat nur ein Interesse: hohe Einnahmen bei geringem Aufwand. Das ist die falsche Motivation. Das können wir uns nicht leisten.

Helft uns! Rettet uns vor der Privatisierung!



[*] Quelle: Ausgabe Nr. 164/2008 der Zeitschrift Junge Welt, auf deren Titelseite die Wahrheit über die ICE-3-Kontrollen stand, eine Wahrheit, die von der neoliberalen Mainstreampresse, wenn nicht verschwiegen, so jedenfalls nicht gerade laut hinausposaunt wurde. Wir dachten doch alle, die Bahn habe die Untersuchungen freiwillig veranlaßt.

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