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Das Opfer des Münchner S-Bahn-Mordes – ein Opfer der Privatisierung

Dominik Brunner war ein Held – er schützte Kinder in der Münchener S-Bahn vor gewalttätigen Jugendlichen und bezahlte dafür mit seinem Leben.

Nach jetzigem Erkenntnisstand wird es kein Ermittlungsverfahren gegen andere Fahrgäste geben wegen unterlassener Hilfeleistung. Es sieht so aus, als hätten die Leute getan, was sie konnten. Sie alarmierten sofort die Polizei. Ein junger Mann wollte sogar die Gleise überqueren, um einzugreifen. Er mußte wegen eines einfahrenden Zuges umkehren. Ein älterer Herr und eine Arzthelferin leisteten erste Hilfe. Aber: wo war das S-Bahn-Personal? Ganz einfach: es gab keines!

Früher waren S-Bahnhöfe selbstverständlich mindestens mit einem Stationsvorsteher besetzt. Im Zuge der Privatisierung aber hat man das entsprechende Personal eingespart. Denn eingespartes Personal bedeutet weniger Kosten, weniger Kosten bedeuten höhere ausgewiesene Gewinne und diese wiederum locken die Investoren an, die man sich für den Börsengang der Deutschen Bahn, zu der auch die Münchener S-Bahn gehört, erhofft.

Unser supernaiver Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee argumentierte tatsächlich, ich habe es selbst gehört, zur Zeit vor der Wirtschaftskrise, als der Börsengang der Bahn noch auf der Tagesordnung stand, man müsse die Bahn privatisieren, um Gelder aufzubringen, um die Bahn besser zu machen. In Wirklichkeit werden erst mal Gelder „eingespart“. Die Bahnhöfe vereinsamen und verkommen. Es gibt dort kein Personal mehr. Wie der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft GdP, Konrad Freiberg, ganz richtig sagte: „Die Unternehmen des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) fahren seit geraumer Zeit eine drastische Sparpolitik auf Kosten der Sicherheit ihrer Kunden. Zwar werden regelmäßig Fahrkartenkontrollen durchgeführt, doch wollen Fahrgäste Übergriffe oder auch nur eine zerstörte Sitzbank melden, sind ÖPNV-Mitarbeiter kaum aufzufinden.“

Ein uniformierter Stationsvorsteher mit Kelle und Trillerpfeife hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit die widerwärtigen Jugendlichen davon abgehalten, auf Brunner loszugehen. Insofern kann man mit Fug und Recht die These aufstellen: Dominik Brunner, der tote Held, ist ein Opfer der Privatisierung. Er ist nicht das einzige, und er wird auch nicht das letzte sein: Die Privatisierer spielen mit unseren Leben. Bei der Berliner S-Bahn fuhren Züge mit bruchgefährdeten Achsen und defekten Bremszylindern. Die S-Bahn hatte Werkstätten geschlossen, fast 50 Prozent Personal abgebaut, Warnungen von Betriebsräten als „Wahrnehmungsstörungen“ abgetan, Auflagen des Eisenbahnbundesamtes mißachtet – alles, um zig Millionen Gewinn pro Jahr an die DB abführen zu können, mittels derer Bahnchef Mehdorn die Bilanz aufhübschen wollte, um Investoren für den Börsengang zu gewinnen.

Zur Zeit steht die S-Bahn – wieder mal -  weitgehend still, da es nicht mehr genügend einsatzbereite Züge gibt. Leidtragende sind  die Berliner und Brandenburger Wirtschaft und die tausende von Pendlern, die wertvolle Lebenszeit verlieren, um irgendwie doch noch zu Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte zu gelangen.  

„S-Bahn-Chefs, erfolgreich wie eine Armee“ schrieb Harald Martenstein im Tagesspiegel unter Hinweis darauf, daß das letzte Mal, daß die Berliner S-Bahn derartig lahmgelegt war, bei der Eroberung Berlins durch die Rote Armee 1945 war. Bald danach fuhr die S-Bahn übrigens wieder. Das damalige Chaos hat nicht so lange gedauert wie das heutige. 

Solange der Neoliberalismus nicht überwunden ist, wird die Misere weitergehen. 

"Junge Männer: Die gefährlichste Spezies der Welt" titelte der Spiegel beim vorletzten Münchener S-Bahn-Vorfall, als zwei Jugendliche einen Rentner krankenhausreif prügelten. Das ist falsch. Religiöse Fundamentalisten und Neoliberale sind gefährlicher. Sie schaffen häufig erst die Situation, in der sich das Gefahrenpotential, das von den hormongestörten Jugendlichen ausgeht, entfalten kann. 

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