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Wer siegt, verliert

Besorgt um angebliche Wettbewerbsnachteile, haben die deutschen Regierungen und Sozialpartner in den letzten Jahren einen beispiellosen Feldzug des Reallohnniedergangs geführt. Während in ganz Europa die Arbeitnehmereinkommen stiegen, sanken sie in Deutschland, am Ende nicht nur in Kaufkraft, sondern in Heller und Pfennig gemessen, so daß ein Deutscher schon neiderfüllt auf einen Iren blicken mußte, und der Durchschnittsdeutsche im europäischen Wohlstandsvergleich auf einen unteren Mittelfeldplatz abfiel.

Man kann nunmehr eine Bilanz ziehen: Dieser Feldzug war ein voller Erfolg. Sieg auf ganzer Linie. Deutschlands Exportüberschüsse wachsen ins Unermeßliche, kein europäischer Partner kommt mehr mit.

Aber wir sind hier leider nicht beim Mensch Ärgere Dich nicht, nicht im Fußball, im Schach oder in der Tour de France, sondern im richtigen Leben. Das richtige Leben ist kein Spiel und kein Sport. Der Preis des Siegers in diesem Wirtschaftskampf ist nicht eine Copa de Oro oder ein Gelbes Trikot, sondern daß er für die Schulden derer aufkommen muß, die er durch sein gnadenloses Dumping besiegt hat. Wir haben Griechenland zu Tode exportiert, jetzt müssen wir für die Folgen einstehen.

Die Folgen trägt, in Griechenland wie in Deutschland, der kleine Mann. Die Reichen - die FDP-Klientel - triumphieren; sie sind schon wieder reicher als vor der Wirtschaftskrise. Die Banken, die dank staatlichen Eingreifens die Krise überstanden haben, wie zum Beispiel die Deutsche Bank des Herrn Ackermann, sind lästige Konkurrenz los, die pleitegegangen ist, und verdienen besser denn je. Aber auch dieser Sieg ist kein wirklicher Sieg. Es ist ein Sieg, der directement in die Reichenghettos führt, wie wir sie aus Brasilien oder den USA kennen. "Guarded Communities" mit Wachmännern, in die man nur nach Kontrollen reinkommt, wie es sie früher mal an den DDR-Grenzen gegeben hat. Ständige Angst und Unsicherheit. Ein permanentes schlechtes Gewissen, das man zu überhören versuchen kann, aber in Wirklichkeit nie los wird. Die Reichen tragen ihr Gefängnis mit sich herum. Sie leiden, ohne es sich einzugestehen, unter der ungerechten Gesellschaft, in anderer Weise zwar als die Armen, aber sie leiden auch. Dieses Spiel kennt scheinbar Gewinner, in Wirklichkeit aber nur Verlierer. Im wirklichen Leben gibt es keine Siege wie im Schach. Das sind Siege wie der Sieg Englands gegen Nazideutschland, der nur einen beispiellosen Niedergang Englands einleitete; darauf verzichten wir gerne.

Es ist nunmehr Zeit, den Werten égalité und fraternité aus der französischen Revolution endlich ihren gebührenden Platz einzuräumen. Davon profitiert letztlich auch der dritte Wert im Bunde, die liberté. Freiheit ist nämlich nicht die FDP-Freiheit des cleveren "Eliten"-mitglieds. Die FDP-Freiheit ist letztlich weniger Freiheit, sie ist Unterdrückung von Arbeitnehmern und sozial Schwachen. Ich habe Joachim Gauck gelobt, weil er für die liberté einstand. Ich hoffe, er weiß, was echte Freiheit bedeutet, und er sieht auch die Bedeutung der anderen beiden Werte der Trinität der französischen Revolution. Als Theologe müßte er eigentlich dazu imstande sein.

Ein erster wichtiger Schritt ist es, die FDP bundesweit dahin zu bringen, wo sie hingehört, nämlich unter die 5 %-Hürde. Dies wird im übrigen auch ein Befreiungsschlag für die Schwulen in Deutschland sein. Die Schwulencommunity leidet doch entsetzlich unter dem Generalverdacht, alle Schwulen seien Geschöpfe wie Guido Westerwelle. Das ist zwar genauso absurd, wie alle Vegetarier mit Adolf Hitler in einen Topf zu werfen, aber es bleibt eben nicht aus. Weg mit Westerwelle, dann haben wir ein schweres Problem weniger. Vielleicht findet sich ja ein netter Posten in Europa für ihn, er spricht schließlich hervorragend Englisch.

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